Träume Albträume und Traumdeutungen
Posted on Januar 31, 2010
Um kaum einen menschlichen Bereich ranken sich mehr Mythen als um Traumdeutungen. Von Anbeginn der Menschheit an machen sich die Menschen Gedanken um ihre Träume. Was will mir dieser Traum sagen? Warum habe ich jenen Traum geträumt? Warum träume ich immer wieder von einem bestimmten Thema?
Fragen, die die Menschen beschäftigen. Aber auch Fragen, die ungemein viel Spielraum für Interpretationen und Assoziationen lassen. Sicherlich kennt dies jeder Mensch: Man wird nachts schweißgebadet wach und muss erst einmal in die Realität finden. Man hat also einen Albtraum geträumt – plastisch und sehr real. Oder aber man träumt in regelmäßigen Abständen jene Träume, in denen man beispielsweise vor einer Treppe steht und diese unbedingt hinauf muss. Aber man schafft es nicht, weil man zu langsam ist oder die Treppe immer länger wird. Träume sind surreale Spielfilme, die sich im Kopf abspielen. Mancher Träumer träumt so realistisch, dass man diese Träume gar als Drehbuch für so manchen Kinofilm nutzen könnte. Und so vielfältig, wie diese Drehbücher sind, sind auch die Deutungen hierzu. Da wundert es nicht, dass so manche Traumdeutungen schon an Stilblüten erinnern. Denn rein wissenschaftlich rational betrachtet sind Träume nichts anders als die Verarbeitung dessen, was ein Mensch erlebt hat. Das Unterbewusstsein hält also einen nächtlichen Kehraus und sortiert die Dinge, die das Gehirn speichern möchte oder nicht.
Macht man sich einmal deutlich, dass es sich beim Träumen um Verarbeitung von Daten handelt, so wird schnell klar, warum Träume für die Schaltzentrale des Menschen, dem Gehirn also, so wichtig sind. Das Gehirn kann man sich als einen ungemein leistungsstarken Rechner vorstellen. Die Rechenleistung ist so gewaltig, dass kein noch so leistungsfähiger Computer mit dem menschlichen Gehirn mithalten könnte. Doch auch das menschliche Hirn hat nur eine begrenzte Speicherkapazität. Aus diesem Grunde werden immer wieder einmal Dinge, die im Gehirn gespeichert sind, überprüft, ob diese Angaben vielleicht gelöscht werden können, um wieder Platz für andere Daten zur Verfügung stellen zu können. Und genau dieser Aufgabe geht das Gehirn nachts nach. Dafür hat die Evolution die Rem- und die Schlafphasen eingerichtet. Während der Rem-Phase träumt der Mensch. Das Gehirn geht die am Tag zuvor erlebten Dinge durch und prüft, was davon gespeichert oder gelöscht werden kann. In regelmäßigen Abständen prüft das Gehirn bereits länger bestehende Daten. Man träumt also nicht nur von den Geschehnissen des letzten Tages, sondern auch von Vorgängen aus der nahen Vergangenheit.
Mitunter geht das Gehirn aber noch weiter zurück. So kann es also ebenso vorkommen, dass man aus der längeren Vergangenheit träumt. Träume sind immer individuell, da sie das Erlebte des jeweiligen Träumers wiedergeben. Es gibt aber auch Träume, die kollektiv geträumt werden. Diese nennt man Archetypen. Dies sind bestimmte Themen, die mittels der Gene von Mensch zu Mensch weitergegeben werden. Wenn man also eines Nachts wieder einmal von der Treppe, auf der man nicht weiterkommt, träumt, kann man sich sicher sein, dass diesen Traum weltweit Millionen andere Menschen ebenfalls träumen.
Denn hierbei handelt es sich um einen solchen Archetypus. Es handelt sich bei Träumen also rational betrachtet schlichtweg lediglich um das Aufräumen im Gehirn. Aber Rationalität und Fantasie müssen sich ja nicht immer zwingend ausschließen, sodass eben auch noch genügend Platz für die Mythen und Geschichten rund um die Traumdeutungen bleibt.
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